Die Jungliberalen wollen die Strassen mit LED-Lampen beleuchten, Zürcher Oberländer vom 28.12.09
Eine gute Idee zur falschen Zeit?
Monika Kessler – Weil sie energieeffizienter und umweltschonender sind, wollen die Jungliberalen, dass der Stadtrat den Einsatz von LED-Kandelabern prüft. Die Experten sind zwar nicht abgeneigt, aber skeptisch.
Für einmal nicht nur ökonomische Argumente, sondern auch ökologische tischen die Jungliberalen von Illnau-Effretikon (JLIE) auf, wenn es um ihre Interpellation geht, die sie Anfang Dezember im Grossen Gemeinderat eingereicht haben. Darin fordern die Jungpolitiker vom Stadtrat Antworten auf die Idee, in Illnau-Effretikon Strassenbeleuchtung mit LED-Technologie zu testen.
«Die Idee wurde von Mitgliedern der Partei an uns herangetragen, und wir fanden die Thematik sehr interessant», erklärt der JLIE-Gemeinderat und Stadtratskandidat Philipp Wespi auf Anfrage. «Die Technologie hat uns überzeugt, weshalb wir anschliessend die Interpellation ausformuliert haben», so Wespis Fazit, nachdem sich die Partei mit LED-Kandelabern befasst hatte.
«Weiss nicht, ob das gescheit ist»
Wohl hatten die Jungliberalen beim Verfassen der Interpellation das enorme Sparpotenzial von 40 bis 50 Prozent, das sie sich wünschen würden, im Auge. Doch auch die ökologischen Aspekte kommen in ihrer Argumentation nicht zu kurz: «Abgesehen davon, dass LED-Lampen deutlich weniger Strom verbrauchen, wird auch der Lichtstrahl besser gebündelt, und die Lichtverschmutzung kann so minimiert werden.»
Ungewohnte Töne aus den Reihen der Jungliberalen, jedoch durchaus zu unterstützende, meint Werner Lamprecht, Leiter der Energiegruppe des Forums 21. Grundsätzlich komme diese Interpellation ihm und seiner Gruppe entgegen, dennoch bezweifelt er den gewählten Zeitpunkt: «In der LED-Technologie macht man im Vierteljahresrhythmus grosse Sprünge, ich weiss nicht, ob es finanziell gescheit wäre, in der aktuellen angespannten Situation einen solchen Test zu finanzieren», meint er. Es könne nicht die Aufgabe der Gemeinde sein, einen solchen Test individuell durchzuführen, vielmehr müssten die Elektrizitätswerke des Kantons wissenschaftliche Resultate liefern. «Es braucht das technische Know-how, das in der Gemeinde nicht vorhanden ist», ergänzt Lamprecht.
Zeitpunkt ist verfrüht
Eigentlich bemüht sich in der Regel das Forum 21 darum, Illnau-Effretikon als Energiestadt weiter zu fördern. Dass der Vorstoss bezüglich der LED-Kandelaber jedoch nicht aus den Reihen des Forums 21 kommt, erklärt sich Lamprecht folgendermassen: «Wir überlegen sachlich und wollen technologisch fundierte Resultate. Vielleicht hat der von den JLIE gewählte Zeitpunkt etwas mit Wahlkampfstrategie zu tun.»
Ins gleiche Horn bläst auch Dieter Fuchs, Leiter des Werkamts Illnau-Effretikon. «Die Jungliberalen müssen halt noch etwas für den Wahlkampf tun und ins Gespräch kommen», meint er. Doch abgeneigt ist er der Idee, LED-Lampen einzusetzen, auch nicht. «Wir sind bereits im Gespräch mit den EKZ. Im Lauf des kommenden Jahres werden wir erste LED-Kandelaber aufstellen», so Fuchs weiter. Um einen definitiven Entscheid über ein totale Umrüstung zu fällen, sei der Zeitpunkt noch zu früh, gibt er Werner Lamprecht recht.
Sparpotenzial nicht ganz so gross
Ausserdem halte sich die Ersparnis für Illnau-Effretikon in Grenzen, meint Fuchs. «Die Zahlen, so wie sie die JLIE in ihrer Interpellation nennt, gelten nur dann, wenn man ein wirklich altes Beleuchtungssystem hat.» Die Stadt habe aber vor etwa acht Jahren komplett auf sogenannte Natriumdampf-Hochdrucklampen umgestellt, die bereits enorm sparsam sind. «Im Moment haben wir reine Stromkosten von rund 140000 Franken», so Fuchs. Das Sparpotenzial betrage in diesem Fall nur rund 10 Prozent. «Man muss die technischen Details genau prüfen, um zu sehen, was eine Umstellung auf LED bringen würde.»
Fest steht, dass Sparpotenzial vorhanden ist und die LED-Leuchten die Umwelt schonen. Deshalb erhofft sich Wespi Unterstützung im Stadtparlament. «Die bürgerlichen Parteien haben bestimmt nichts dagegen, wenn wir Geld sparen können, und die Linken dürften sich an den ökologischen Aspekten erfreuen.»