Polittheater auf dem Wahlpodium, Landbote vom 23.01.10

Vom «Juxkandidaten» bis zur «Aqui»-Arena: Die sechs neuen Kandidaten für den Illnau- Effretiker Stadtrat bezogen beim Wahlpodium nicht nur zu den brennenden Stadtthemen Stellung. Sie lieferten auch Stoff für eine «Politkomödie».

Illnau-Effretikon – Der parteilose Herbert Zimmermann sah sich beim Wahlpodium vom «Landboten» und «Zürcher Oberländer» am Donnerstagabend mit dem Vorwurf eines «Juxkandidaten » konfrontiert. Entkräften konnte er diesen zwar nicht wirklich, aber die Lacher der rund 120 Besucher im Effretiker Stadthaussaal waren ihm sicher: «Ich habe meiner Frau eigentlich gesagt, ich kaufe nur schnell ein paar Kuverts ein.» Kurz beim Stadthaus vorbei – und schwupps war der 67-Jährige der einzige Herausforderer von Martin Graf (Grüne) im Kampf ums Stadtpräsidium. In letzter Sekunde schrieb er seinen Namen auf das Kandidatenformular und schob es über die Theke. «Die Schalter waren bereits geschlossen.» Auf andere Themen wie das Sportzentrum angesprochen, blieb Zimmermann dagegen eher wortkarg. Seine Standardantwort: «Damit habe ich mich noch nicht befasst.»

Hans-Jürg Gehri (BDP) erklärte seine Kandidatur und die Parteigründung damit, dass bei den letzten Erneuerungswahlen ein «toter Wahlkampf» ohne Auswahl stattgefunden habe. «Jetzt wollen wir Köpfe statt Blöcke.» Die bisherigen Parteien sollen die Sitze nicht einfach horten. Gleichzeitig musste er aber zugeben, dass er auch schon FDP-Mitglied gewesen sei. Angesichts seiner angriffigen und langen Voten äusserte Gemeinderat Hansruedi Wespi (SVP) im Publikum Bedenken, dass die Sitzungen wieder länger andauern würden.

Stadtratskandidatin Gabriela Münger (SVP) erklärte, dass immer wieder Probleme von Gewerblern und einfachen Bürgern an sie herangetragen würden. «Ich möchte diese in der Exekutive aufnehmen und lösen.» Philipp Wespi (JLIE) stellte sich derweil als «Teamplayer» dar: «Ich möchte die junge Sicht in den Stadtrat einbringen. » Die Politik habe sie schon immer fasziniert, sagte Salome Wyss (SP). «Im Stadtrat möchte ich noch direkter Einfluss auf die Projekte nehmen können. » Andreas Hasler (GLP) erklärte seine Motivation für den Stadtrat so: «Seit 13 Jahren lebe ich gerne in Illnau. » Jetzt wolle er sich im Exekutivamt dafür einsetzen, dass dies weiterhin so bleibe.

Geld aus Fonds umstritten

Bei der Publikumsfrage, welche beiden Dinge in Illnau- Effretikon erhaltenswert seien, musste Hasler nicht lange studieren: Er nannte sofort die Naturschutzgebiete Wildert und Örmis. Auch die anderen Kandidaten zielten in eine ähnliche Richtung: Neben der Natur lagen ihnen besonders Naherholungsgebiete und Lebensqualität am Herzen.

Diskussionen löste dagegen die Sanierung des Sportzentrums Eselriet aus. Gehri sprach sich bei der Finanzierung dafür aus, eine Million Franken aus dem Hans-Wegmann-Fonds zu entnehmen. Dieser ist ursprünglich zur Förderung von Aktivitäten zugunsten von Familien, Kindern und Jugendlichen errichtet worden. Doch Wyss und Wespi zeigten sich gar nicht begeistert. Im Grossprojekt würde eine Million einfach verpuffen, so Wyss. «Dies kommt einer regelrechten Fondsplünderung gleich», entgegnete Wespi. Zudem sei die Unterstützung nicht im Sinne des Fondszwecks. Er schlug dagegen Sponsoringverträge vor, was Gehri als Geschäftsleiter der Firma Eurodrink auf die Idee einer «Aqui»-Arena brachte. (FABIOIO MAUERHOFER)

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