Drei neue Parteien drängen in den Stadtrat, Zürcher Oberländer vom 03.02.2010
Illnau-Effretikon – Am 7. März werden Stadtrat und Reformierte Kirchenpflege an der Urne neu gewählt. Die bisherigen Stadträte Karl Heuberger und Amanda Rüegg müssen am 7. März ersetzt werden. Sechs Kandidaten warten.
Anna E. Guhl
Von den neun Mitgliedern der Illnau-Effretiker Exekutive treten zwei am 7. März nicht mehr zur Wiederwahl an. Karl Heuberger sass seit 1990 für die CVP im Stadtrat, Amanda Rüegg seit 1998 für die SP. Heuberger betreute lange die Stadtfinanzen, vor vier Jahren wechselte er ins Polizeiamt. Rüegg stand dem Jugendund Sportamt vor.
Um ihre Nachfolge bewerben sichvier Kandidaten und zwei Kandidatinnen. Mangels geeigneter Kandidatur verteidigt die CVP ihren Sitz nicht. Der auffallenden Parteienvielfalt in Illnau-Effretikons Exekutive wird dies aber wohl nicht schaden. Gleich drei neue Parteien wollen in der kommenden Amtsperiode im Stadtrat vertreten sein: die Grünliberalen, die Jungliberalen und die BDP.
Drei «frische» Parteien
Die Jungliberalen haben bereits drei Sitze im Parlament inne und versuchen nun mit Philipp Wespi den Sprung in den Stadtrat. Der 28-jährige Betriebsökonom sitzt seit vier Jahren für die JLIE im Stadtparlament.
Die Grünliberale Partei schickt mit Andreas Hasler ihren bekanntesten Kopf ins Rennen. Der 56-jährige Geschäftsführer von Pro Natura Zürich ist Vizepräsident der städtischen Umwelt- und Naturschutzkommission und hat 2007 die GLP mitbegründet.
Auch die kürzlich gegründete Ortssektion der BDP will in den Stadtrat und hat dafür den 56-jährigen Hans-Jürg Gehri nominiert. Der Geschäftsführer von Eurodrink hat mehrere Parteienwechsel hinter sich: in Wädenswil Mitglied der EVP, in Illnau-Effretikon zuerst eines der FDP, dann wieder EVP.
SP will verteidigen, SVP greift an
Für die SP geht es darum, die abtretende Stadträtin Amanda Rüegg zu ersetzen. Die SP-Kandidatin Salome Wyss sitzt seit zwölf Jahren im Stadtparlament und führt dort zurzeit die SP-Fraktion. Die 30-jährige Sekundarlehrerin kann das Maximum an Parlamentserfahrung vorweisen, das man in ihrem Alter haben kann.
Die SVP will mit Gabriela Münger einen dritten Stadtratssitz erobern. Die 38-jährige Unternehmerin, die in Illnau einen Partyservice führt, sitzt seit 2005 im Grossen Gemeinderat und ist dort RPK-Mitglied. Seit 2004 ist sie auch Präsidentin des lokalen Gewerbevereins.
Der 67-jährige Herbert Zimmermann schliesslich hat seine Kandidatur – auch für das Präsidium – im allerletzten Moment eingereicht, konnte aber im Vorfeld der Wahlen nicht mit Inhalten überzeugen.
Wenig gefährdete Bisherige
Die wieder kandidierenden Stadträte scheinen wenig gefährdet. Max Binder sitzt seit 1990 für die SVP in der Exekutive. Der 62-jährige Landwirt und Nationalrat möchte die Erweiterung des Alterszentrums Bruggwiesen noch als Vorsteher des Gesundheitsamts eröffnen. Parteikollege Reinhard Fürst führt seit 2001 das Bauamt. Dort ist Ruhe eingekehrt, seit ein Gesamtprojektleiter für die städtischen Baustellen zuständig ist.
Erika Klossner-Locher ist seit 2002 FDP-Stadträtin und Präsidentin der Schulpflege. Die 55-jährige Unternehmensberaterin führt ihren personalintensiven Bereich mit Energie und Ruhe und möchte dies weiter vier Jahre tun. Parteikollege André Bättig kümmert sich seit 2006 um die Stadtfinanzen. Der 44-jährige Ingenieur wird nicht müde, vor den dunklen Wolken am Finanzhimmel zu warnen.
Kurt Brüngger sitzt für die SP seit 2002 im Stadtrat und kümmert sich dort um das Sozialamt. Der 64-jährige pensionierte Sekundarlehrer sorgt zielstrebig dafür, dass Sozialhilfebezüger so
rasch wie möglich wieder auf eigenen Beinen stehen. Das Werkamt wird seit 2006 vom SP-Mann Ueli Müller geführt. Der 52-jährige Berufsschullehrer hat zum Beispiel zusammen mit dem Polizeiamt den Parlamentsauftrag umgesetzt, flächendeckend Tempo 30 einzuführen.
Porträt Philipp Wespi (JLIE)
Der Betriebsökonom Philipp Wespi kann trotz seines jungen Alters – Jahrgang 1981 – bereits auf eine längere politische Betätigung zurückblicken: Seit 2001 wirkt er im Vorstand der Jungliberalen, präsidierte diese und ist seit 2006 Gemeinderat. Seine Kandidatur begründet er damit, dass ihm die Zukunft der Gemeinde sehr am Herzen liege, er Ideen einbringen und Probleme anpacken möchte. Ausserdem möchte er eine jüngere Generation vertreten.